Ein guter Kinderaufschlag entsteht selten durch hundert identische Wiederholungen. Kinder lernen besser, wenn eine Übung ein klares Ziel hat und ihrem aktuellen Können entspricht. Mal steht der Überkopfwurf im Mittelpunkt, mal der Ballwurf, mal die Richtung. Die folgenden zehn Aufgaben orientieren sich an den Lernprinzipien des DTB-Kindertennis: vereinfachen, spielnah üben und die Schwierigkeit schrittweise erhöhen.
1. Zielwurf über das Netz
Das Kind wirft einen weichen Ball von der T-Linie über Kopf in ein großes markiertes Feld. Für jeden Treffer gibt es einen Punkt. Die Übung vermittelt Schlagrichtung und Gewichtsverlagerung, ohne dass der Schläger zusätzlich koordiniert werden muss. Leichter wird sie mit geringerer Distanz und größerem Ziel; schwerer durch zwei wählbare Zielzonen.
2. Handaufschlag zum Partner
Das Kind wirft den Ball mit der Nicht-Schlaghand an und trifft ihn mit der flachen Schlaghand. Der Partner fängt nach einem Aufsprung. Diese vom DTB genutzte Vorübung verbindet Anwurf, Treffpunkt und Richtung. Zunächst stehen beide nah beieinander. Später wird über ein niedriges Netz oder eine Schnur gespielt.
3. Ballwurf fangen
Das Kind nimmt die Aufschlagstellung ein, wirft den Ball an und fängt ihn mit gestrecktem Arm oberhalb und leicht vor dem Körper. Es bleibt anschließend zwei Sekunden stabil stehen. Fällt der Ball hinter den Kopf oder muss das Kind ihm folgen, wird der Anwurf kleiner. Fünf ähnlich platzierte Würfe sind wertvoller als ein besonders hoher.
4. Kantenflug ohne Ball
Mit langsamem Schlägerschwung wird die obere Schlägerkante nach vorn geführt, bevor sich die Schlagfläche zum gedachten Ball dreht. Das Kind schlägt dabei keinen Ball. Diese Aufgabe hilft gegen eine früh geöffnete „Tablettposition“. Sie bleibt kurz und kontrolliert; komplizierte anatomische Erklärungen sind unnötig.
5. Kurzgriff von der T-Linie
Das Kind greift den Schläger höher und schlägt aus kurzer Entfernung diagonal ins Aufschlagfeld. Ziel sind zunächst drei kontrollierte Treffer, nicht maximale Kraft. Gelingt das, wandert die Hand etwas tiefer oder die Startlinie einen Schritt zurück. Nie werden Griff, Distanz und Zielfeld gleichzeitig erschwert.
6. Aufschlag-Dart
Im Aufschlagfeld liegen drei unterschiedlich große Zonen. Die größte zählt einen, die mittlere zwei und die kleinste drei Punkte. Nach zehn Versuchen addiert das Kind selbst. Der DTB nutzt vergleichbare Zielspiele bis hin zum Darttennis. Wichtig ist, dass jedes Kind seine eigene Punktzahl verbessert und nicht nur die stärksten Aufschläger gewinnen.

7. Zwei Treffer, dann Seitenwechsel
Das Kind versucht zwei Aufschläge hintereinander ins Feld zu spielen. Danach wechselt es unabhängig vom Ergebnis auf die andere Seite. Die Aufgabe trainiert Routine, Konzentration und die veränderte diagonale Richtung. Für Anfänger reicht ein Treffer pro Seite; Fortgeschrittene wählen vorher „durch die Mitte“ oder „nach außen“.
8. Aufschlagrennen im Team
Zwei Teams schlagen nacheinander auf ein großes Tor oder Zielfeld auf. Nach einem Treffer wird der nächste Spieler abgeklatscht. Kurze Runden vermeiden lange Wartezeiten. Das Rennen darf nur dann schneller werden, wenn die Bewegung kontrolliert bleibt. Wer einfach härter schlägt und die Sicherheit verliert, hilft dem Team nicht.
9. Aufschlag plus Fangreturn
Ein Kind schlägt auf, der Partner fängt den Ball nach einem Aufsprung und rollt ihn zurück. Danach tauschen beide. So wird aus der Technikübung bereits eine Spielsituation. Als Steigerung blockt der Partner den Return kontrolliert zurück, und der Aufschläger fängt den nächsten Ball.
10. Aufschlag und erster Ballwechsel
Der Aufschlag wird von passender Distanz gespielt. Der Return geht sicher durch die Mitte, anschließend halten beide den Ball mindestens zweimal im Spiel. Erst dann ist der Punkt frei. Diese matchnahe Form verhindert, dass der Aufschlag als Ende der Aufgabe verstanden wird. Die Orange-Stufe des DTB verbindet Aufschlag und Folgeschläge ausdrücklich in solchen Spielformen.
So werden die Übungen richtig dosiert
Eine Einheit braucht nicht alle zehn Aufgaben. Zwei vorbereitende Übungen, eine Zielaufgabe und eine Spielform reichen meist. Nach kurzen Serien folgen Pausen oder Rollenwechsel. Trainer beobachten dabei nur einen Schwerpunkt: etwa Anwurf, Treffpunkt oder Richtung. Mehrere Korrekturen gleichzeitig überlasten die Aufmerksamkeit.
Der verwendete Ball und das Feld müssen zur Lernstufe passen. Rote, orangefarbene und grüne Bälle verändern Geschwindigkeit und Absprung. Der DTB ordnet sie verkleinerten beziehungsweise vollständigen Feldern zu. Entscheidend ist aber das tatsächliche Spielniveau: Entstehen kaum Treffer oder Ballwechsel, wird vereinfacht.
Fortschritt ohne Erfolgsversprechen messen
Eine einfache Dokumentation genügt: Treffer aus zehn Versuchen, Zahl ähnlicher Ballwürfe und gelungene Aufschlag-plus-Return-Sequenzen. Diese Werte zeigen, ob die Aufgabe stabiler wird. Sie sagen nicht voraus, wie schnell ein Kind eine perfekte Bewegung entwickelt. Wachstum, Koordination, Trainingserfahrung und Tagesform unterscheiden sich erheblich.
Bei Schmerzen wird die Übung beendet. Auch ohne Beschwerden sind lange Serien maximaler Aufschläge ungeeignet. Der Aufschlag soll sich technisch und spielerisch entwickeln. Abwechslung ist dabei kein Unterhaltungsprogramm, sondern eine Methode, um einzelne Teile der komplexen Bewegung gezielt lernbar zu machen.